Ein Interview mit…
...der Autorin Claudia Rapp

Interview mi Autorin über das Schreiben und Publizieren von Büchern
11.Mai

Ich hatte es euch ja schon angedroht angekündigt, wenn ich mich einmal in eine fremde Berufsgruppe verbeiße, dann richtig. Was mit einem kleinen Ausflug in die Welt der Selfpublishing-Autoren begann, ist zum Auftakt für eine ganze Serie geworden, die mittlerweile sogar eine eigene Kategorie bekommen hat. Wie versprochen gibt es heute noch mehr Input für euch zu diesem spannenden Thema: Ich durfte die Autorin Claudia Rapp mit ein paar Fragen löchern.

Wer ist Claudia Rapp?

Damit ihr euch ein Bild machen könnt, wen ich hier eigentlich vor mir habe, stelle ich euch die Lady mal kurz vor.

Claudia kommt ursprünglich aus dem Rheinland, lebt mittlerweile in Berlin und hat zwei wundervolle Töchter. Bücher sind ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens, denn nach der Ausbildung zur Buchhändlerin hat sie in Konstanz deutsche und englische Literatur studiert und dort später auch als Dozentin für amerikanische und englische Literatur gearbeitet. Nun ist sie freie Autorin und Übersetzerin.

Sie hat ein Faible für Mythologie, Musik und Festivals, reist gerne und interessiert sich natürlich für Bücher, Bücher, Bücher. Man trifft sie immer wieder auf Lesungen – mal als Leser, mal als Zuhörer. Sie hat sogar schon eine Lesung auf dem Wacken Open Air abgehalten!

Kennengelernt habe ich sie vor ein paar Jahren – wie könnte es anders sein – auf einem Festival.

Autorenbild Claudia Rapp

Nun kennt ihr euer Gegenüber, also auf zum Interview!

11 Fragen an die Autorin

Was hat dich dazu veranlasst, deinen ersten Roman zu veröffentlichen? Gab es einen Auslöser?

Mal abgesehen davon, dass ich schon als Teenager beschlossen habe, Schriftstellerin zu werden, ist das beim ersten Buch ganz leicht zu beantworten: Ich saß an meiner Doktorarbeit über Literatur aus Hawaii, und durfte im Rahmen dessen auch ein Semester auf Oahu verbringen. Danach hatte ich so viele Geschichten im Kopf, die keinen Platz in einer Doktorarbeit gehabt hätten, dass ein Roman daraus geworden ist: „Der weiße Duft der Inseln.“

Wie hast du angefangen? Ebooks, Print on demand (im Selbstverlag) oder Verlag?

Ich habe zwar mein Manuskript für die Hawaii-Geschichte ein paar wenigen Verlagen angeboten, aber nach ein paar Absagen gab es plötzlich die Möglichkeit, über Books on Demand (BoD) selbst zu verlegen. Die waren in Deutschland noch schneller als amazon mit Kindle Direct Publishing, und da habe ich gedacht, einfach mal probieren. Man sieht dem fertigen Buch immer noch an, dass es ein Experiment war – ohne Ahnung von Coverdesign, ohne ordentlichen Buchsatz … aber der BoD-Vertrag wird ganz bald gekündigt, und dann wird das Ganze endlich nochmal inhaltlich und gestalterisch überarbeitet … ich muss nur ein bisschen Zeit dafür finden.

Meine beiden weiteren Romane habe ich zunächst auch selbst veröffentlicht, diesmal dann über amazon. Aber dann hat der Amrûn Verlag Interesse angemeldet und beide noch einmal verlegt – mit neuen professionelleren Covern, Buchsatz, Lektorat, und neuen Titeln: Aus dem Uni-Thriller „Von wegen Asbest“ wurde „42“* (was sich erschließt, wenn man das Buch liest), und aus dem Zeitreise-Festival-Wikinger-Groupie-Märchen „Sex, Zeitreisen und Rock’n’Roll“ wurde „Summer Symphony.“**

* Bei Amazon: Zweiundvierzig – Ein Uni-Thriller*
** Bei Amazon: Summer Symphony: Ein Trip mit Sex, Zeitreisen und Rock’n’Roll*

Was inspiriert dich zu einem Roman?

Musik, Musik, Musik. Mythologie, verwunschen wirkende Orte, Leidenschaften, und seltsame Dinge, die tatsächlich passiert sind. Orte spielen glaube ich eine sehr große Rolle. Hawaii. Die Uni, an der ich viel zu viele Jahre meines Lebens verbracht habe. Musikfestivals. Das sind die drei Settings meiner drei bisher veröffentlichten Romane… Und auch für die geplanten spielt der jeweilige Handlungsort eine wesentliche Rolle.

Wie, wann und wo kannst du am besten schreiben?

Ideen haben: Beim Joggen oder Radfahren oder sonst irgendwie unterwegs, daher habe ich immer ein Notizbuch oder mein Handy dabei, sonst vergesse ich ja alles wieder, bis ich zu Hause bin. Grobe Handlung skizzieren: im Bett oder sonst irgendwo, wo ich bequem sitzen und vor mich hin träumen kann. Das eigentliche Schreiben und Überarbeiten: am Schreibtisch, manchmal auch mit Laptop im Bett. Ich schaue vom Schreibtisch aus auf meine Inspirationswand:

Inspirationswand Claudia Rapp

Was motiviert dich, durchzuhalten? Hast du Tricks?

Wenn es einen Engpass gibt, schreibe ich an einer anderen Stelle oder Szene weiter, wo es leichter oder spannender ist, und komme später dahin zurück, wo es gehakt hat oder ich keine Lust hatte. Schwieriger als die Motivation ist eher, mir die Zeit zu nehmen, da ich fast den ganzen Tag übersetze, denn das ist zur Zeit meine Haupteinnahmequelle.

Wie sieht dein Tagespensum beim Schreiben aus? Gibt es ein Ziel Seiten/Tag?

Momentan nicht. Aber wenn ich weiß, ich habe jetzt z.B. eine Woche ohne andere Aufträge, dann nehme ich mir sowas wie 10.000 Wörter in der Woche vor, um richtig einzutauchen in die Story. Ich finde auch sowas wie den NaNoWriMo super: Der November ist in den USA (und inzwischen wohl weltweit) der Romanmonat. Ziel ist es, in 4 Wochen die Rohfassung eines Buches zu haben, und in Foren und Gruppen kann man sich online gegenseitig motivieren, sein Vorankommen vergleichen etc. Ich kann besser am Stück richtig ranklotzen als jeden Tag über Monate eine halbe Stunde schreiben…

Schreibst du derzeit an einem Buch? Verrätst du uns was darüber?

Ja, aber es geht viel zu langsam voran, siehe oben. Es geht um eine Selbstmordserie, die wohl doch eher eine Mordserie ist, um eine junge Polizistin, die ermittelt und sich gefährlich nah an den Hauptverdächtigen heranwagt, den charismatischen Sänger einer Düsterrockband. Ich bleibe meinen Musikern treu… Und das Ganze spielt im Nordwesten der USA (in der Gegend, wo auch Twilight spielt, aber bei mir glitzert NIEMAND), und in Texas … und ich schreibe es auf Englisch, einfach um zu sehen, ob ich das auch kann.

Und dann brüte ich ja auch schon ewig über einer größeren Geschichte, in der die Loreley eine zentrale Rolle spielt – sowohl der Ort als auch die Sagengestalt. Auch dieses Projekt geht nur sehr langsam voran.

Lässt du deine Bücher in Ruhe, wenn sie fertig sind oder optimierst du ständig weiter?

Spontan hätte ich gesagt, ich lasse sie in Ruhe. Aber Hawaii wird ja demnächst überarbeitet, und die beiden anderen wurden beide überarbeitet, bevor sie im Amrûn Verlag erschienen sind. Der Uni-Thriller nur ganz minimal, und bei „Summer Symphony“ ging es vor allem darum, Szenen zu verschieben, damit die geänderte Abfolge die Dinge klarer und spannender macht. Ich hoffe, das ist gelungen.

Kaufst du dir auch Bücher? Wie viele Seiten muss ein Roman mindestens haben, damit er für dich interessant ist? Gibt es eine Obergrenze?

Ich kaufe sogar viel zu viele Bücher, in letzter Zeit auch viel Non-Fiction. Vom Umfang her gibt es weder eine Ober- noch eine Untergrenze. Hauptsache, die Story klingt vielversprechend, dann kann sie auch ganz kurz sein. Vor kurzem habe ich z.B. Luci van Orgs neuen Roman „Schneewittchen und die Kunst des Tötens“ gelesen. Eine etwas andere Nacherzählung des Märchens. Das war ein kurzes Buch, aber großartig kurzweilig, schräg und einfallsreich. Und je dicker das Buch, desto eher kaufe ich es mir als E-Book, denn meine Regale sind voll.

Die Zahlen beim Self Publishing sind ja relativ deprimierend. Ist es bei einem Verlag denn besser? Kannst du vom Schreiben leben?

Ich würde so gern davon leben können, denn dann könnte ich immer weiter schreiben, aber nein, bisher geht das nicht. Aus meiner Erfahrung und dem Austausch mit vielen anderen Autoren heraus kann ich nur sagen, besser oder schlechter kann man pauschal nicht sagen. Ein Verlag hat erst einmal eine größere potentielle Reichweite und Sichtbarkeit; mit einem Verlag ist man im Buchhandel vertreten und wird immer noch an vielen Stellen ernster genommen. Wenn der allerdings kein Riesenbudget für Werbung hat (oder auch bei den Großen: wenn du nicht der „Spitzentitel“ der Saison bist), dann braucht es neben einem guten Buch schon auch eine Menge Glück, gefunden, gekauft, weiterempfohlen zu werden. Als Selfpublisher hat man die volle Kontrolle, aber entsprechend auch die volle Arbeit. Wenn man allerdings als solcher „entdeckt“ wird, bekommt man von jeden einzelnen Buch viel mehr ab als beim Verlag (denn der steckt ja auch Geld in dein Buch) … Kann sich also beides lohnen, meiner Meinung nach. Und ich würde es mir bei jedem weiteren Buch auch wieder neu überlegen: Passt das bei einem Verlag einfach perfekt ins Programm, was ich da habe, dann probiere ich, ob der es verlegen will. Denke ich, dass ich selbst mit meinem Thema Aufmerksamkeit erzeugen kann für mein Buch? Dann mache ich es selber…

Würdest du meine Leser eher ermutigen oder davon abraten, ein Buch zu veröffentlichen?

Wer eine Geschichte zu erzählen hat, der kann sie seit einigen Jahren auch veröffentlichen, auf eigene Faust und ohne großes finanzielles Risiko (Buch auf SP-Plattformen hochladen kostet nichts bis ein paar Euro. Nur Lektorat, Cover und Satz kosten, und dann die Werbemaßnahmen … aber jede/r kann selbst entscheiden, was davon mache ich selbst, was kann ich, was gebe ich in fremde Hände). Daher: Wenn du diesen Drang zum Schreiben hast, raus damit! Und ein Buch an Verlage schicken kann man ja auch immer noch. Es gibt so viele engagierte Indies, bei denen man eine richtige Heimat finden kann. Bei den KollegInnen im Amrûn Verlag (AutorInnen, Verleger, Team) fühle ich mich absolut wohl und ernstgenommen. Ist wie eine verrückte kleine Familie!

Noch mehr Claudia im Netz

Mehr Infos zu Claudia Rapp gibt es auf ihrer Autoren-Homepage oder ihrer Facebook-Seite.

Von 20. bis 29. Mai findet außerdem der Phantastik-Kongress statt, an dem sie ebenfalls teilnimmt. Dafür wurden mit 30 Autoren (u.a. Wolfgang Hohlbein) exklusive Video-Interviews geführt, die zu bestimmten Terminen als Online-Kongress abrufbar sind. Und eine große Buch-Verlosung gibt es sogar auch noch dazu!

Zum Schluss möchte ich mich noch bei Claudia für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen bedanken – und für die tolle Freundschaft, auch wenn wir immer wieder am anderen Ende der Republik leben. 😉

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Ich empfehle dazu: Zur Einstimmung auf die beginnende Festivalsaison möchte ich euch an dieser Stelle unbedingt Summer Symphony ans Herz legen!
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