Selfpublishing: Die Sache mit der ISBN
Woher, warum und ist das alles nötig?

Anleitung Selfpublishing ISBN
09.Mrz

Willkommen zu einem weiteren Teil der „Malbuch-Selfpublishing mit CreateSpace“-Serie, in dem ich heute mal ein bisschen Klarheit in die Sache mit der ISBN bringen möchte – das ist nämlich gar nicht so einfach und selbstverständlich, wie es auf den ersten Blick aussieht.

Was ist die ISBN eigentlich?

Die Internationale Standard-Buchnummer – kurz: ISBN – besteht aus 13 Ziffern, die in Gruppen durch Leerzeichen oder Bindestriche voneinander getrennt sind. Sie dient dem Buchhandel dazu, Bücher zu identifizieren und natürlich auch zu bestellen. Und das Ganze weltweit.

Eine ISBN ist aus fünf Teilen zusammen gesetzt. Die ersten drei Ziffern werden von der GS1 („Global Standards One“, eine Firma, die sich um globale Standards zur Identifizierung von Firmen und Produkten kümmert) vorgegeben und lauten aktuell „978“. Ziffer Nummer vier ist die Gruppennummer. Der Buchhandel in D/A/CH hat zum Beispiel die 3, CreateSpace (US) fällt unter die 1. Die Ziffern fünf bis 12 setzen sich aus Verlagsnummer und Titelnummer zusammen. Größere Verlage haben demnach kürzere Verlags- und längere Titelnummern, Kleinstverlage anders herum. Ziffer 13 ist eine Prüfziffer.

Malbücher und die ISBN

Direkt mal vorweg: Ausmalbücher stehen auf der ISBN-Negativliste. Das heißt, sie dürfen (theoretisch) keine ISBN erhalten. Zumindest (theoretisch) keine durch die Agentur für Buchmarktstandards ausgegebene für den deutschsprachigen Buchhandel. Auf telefonische Nachfrage, warum das so ist, wurde mir erklärt: Eine ISBN bekommt nur eine Publikation, die man im Buchhandel erwarten würde. Alles, was man eher z.B. in einem Schreibwarengeschäft suchen würde, bekommt eine GTIN.

Da die Beantragung einer GTIN nicht ganz ohne ist (Voraussetzung ist der Besitz einer GLN 1 oder GLN2 – na? wer kann noch folgen?) und auch relativ kostspielig, habe ich die Idee nicht weiter verfolgt und bleibe bei meiner kostenlosen CreateSpace-ISBN. Denn dort bekommt einfach alles, was in Buchform ist, eine ISBN verpasst – unabhängig vom Inhalt. Abgesehen davon ist es ja mein Ziel, die Bücher im Buchhandel zu positionieren – und nicht im Schreibwarengeschäft.

Das hat mich nun alles ein wenig stutzig gemacht, daher habe ich mich auch nochmal mit dem großen deutschen Print on demand-Anbieter BoD unterhalten. Auch hier bekommen Malbücher eine ISBN, die Erklärung: Sobald ein Buch dem Buchhandel zugeführt wird, braucht es eine ISBN, das schließt auch Malbücher nicht aus.

Meine Vermutung ist, dass keiner der Mitarbeiter der Agentur für Buchmarktstandards in letzter Zeit mal eine Buchhandlung betreten hat. Sonst wären ihnen sicher die Massen an Malbüchern mit ISBNs aufgefallen und sie hätten die Negativliste überarbeitet. 😉

ISBN – woher denn nun?

Nun aber zurück zur „Beschaffung“ einer ISBN. Ihr könnt eure ISBN bei der Agentur für Buchmarktstandards beantragen. Eine Einzel-ISBN kostet 90,98 €**, die sich aus Bearbeitungsgebühr (75 €), Porto (1,45 €) und Mehrwertsteuer (14,53 €) zusammen setzt. Spätestens jetzt solltet ihr euch genau überlegen, ob ihr eine deutsche*** ISBN braucht oder ob ihr mit der US-Variante zufrieden seid und euch die kostenlose Nummer von CreateSpace reicht.

Solltet ihr euch für die deutsche Variante entscheiden und nicht nur ein Buch veröffentlichen wollen, dann kann auch der Gedanke einer Verlagsgründung für euch interessant sein. Als Verlag bekommt ihr für 174,45 €** (146 € Grundgebühr, 27 € für eine Liste mit 10 ISBNs, 1,45 € Porto) nämlich direkt 10 ISBNs zugeteilt – und eure eigene Verlagsnummer. Dazu aber mehr in einem anderen Artikel.

Alternativ könnt ihr euer Buch auch statt bei CreateSpace bei BoD verlegen, dann fungiert BoD als euer Verlag und ihr bekommt eine ISBN mit der Gruppennummer des deutschsprachigen Raums bereitgestellt. BoD ist im Gegensatz zu CreateSpace allerdings nicht kostenfrei, da ihr mindestens das Produkt „BoD Classic“ buchen müsst für die Zuteilung einer ISBN. Abgesehen davon bindet ihr euch vertraglich für mindestens ein Jahr.

Wenn ihr es so halten möchtet wie ich und erstmal keine Kosten verursachen wollt, dann ist die kostenlose CreateSpace-ISBN die Wahl der Waffen.

** laut Webseite der Agentur für Buchmarktstandards, abgerufen Anfang März 2017

*** wenn ich „deutsche ISBN“ oder „deutscher Buchhandel“ schreibe, meine ich natürlich die für den deutschsprachigen Buchhandel in D/A/CH.

verschiedene ISBNs von CreateSpace

CreateSpace-ISBN und stationärer Buchhandel

Seid ihr mittlerweile alle verwirrt genug? Dann mal Klartext: Anhand der vierten ISBN-Ziffer lässt sich leicht erkennen, dass CreateSpace-ISBNs nicht aus D/A/CH stammen. Ihr habt aber über CreateSpace die Möglichkeit, euer Werk nicht nur auf den verschiedenen Amazon-Marktplätzen und im CreateSpace-eStore listen zu lassen, sondern könnt auch noch die „erweiterte Distribution“ wählen. Hinter dem Kanal „Bookstores and Online Retailers“ verbirgt sich zum Beispiel eine Listung im INGRAM-Barsortiment. Buchhandlungen erhalten ihre Bücher über die Barsortimente der Buch-Großhändler, zu den größten davon zählen Libri, KNV, umbreit und INGRAM. Es ist also durchaus in der Theorie möglich, dass ein Buchhändler einen CreateSpace-Titel über den INGRAM-Katalog bestellen kann.

Theorie ist gut, Kontrolle ist besser. Ich habe also wahlfrei eine Buchhandlung angerufen – in diesem Fall die Hugendubel-Filiale in Mainz am Brand. Ich habe den sehr netten Herrn am anderen Ende der Leitung einfach mal gefragt, ob sie Zugriff auf den INGRAM-Katalog hätten. Er meinte, dass INGRAM nicht zu ihren direkten Lieferanten gehöre, aber ich solle ihm doch einfach mal die ISBN nennen, um die es geht. Ich habe ihm dann die des Taschenbegleiters* durchgegeben und siehe da – er kann bestellt werden! Allerdings mit einer Lieferzeit von ein bis zwei Wochen, aber darüber kann man hinweg sehen.

Ihr seht also, man kann durchaus einen CreateSpace-Titel in den deutschen Buchhandel bringen. Ich werde meine Recherche dazu ein wenig fortsetzen und schauen, ob auch kleinere Läden die Bücher ordern können – wenn ihr Erfahrungen dazu habt, dann schreibt es mir doch in die Kommentare!

Die weiteren Beiträge der Tutorial-Reihe findet ihr übrigens hier:

  1. Reihenfolge der Arbeiten, Wichtiges zu Titel und Texten
  2. Die Anmeldung bei CreateSpace, Anlegen eines Projekts, das Buchformat und Infos zu Rändern, Abständen und "bleed"
  3. Die Sache mit der ISBN
  4. Gewerbe, Steuernummer und das berühmte Steuerformular W8-BEN
  5. Aufbereiten der Bilder für den Druck
  6. Erstellen eines druckfähigen PDFs mit Scribus
  7. Erstellen des Buch-Covers
  8. Vergleich der angebotenen Papierfarben und Cover-Druckarten
  9. Fertigstellen des Projekts und Veröffentlichen des Buchs
  10. Autorenexemplare, Abgabepflicht, Marketing und was sonst noch so folgt

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Ein Kommentar zu “Selfpublishing: Die Sache mit der ISBN

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